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Sepsis und Septischer Schock

Sepsis und septischer Schock zählen zu den schwerwiegendsten medizinischen Notfällen.

Eine verzögerte Diagnose oder eine fehlerhafte Behandlung kann innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohliche Folgen haben. In meiner anwaltlichen Tätigkeit als Spezialist für ärztliche Behandlungsfehler vertrete ich Patientinnen, Patienten und Angehörige, wenn Anzeichen einer Sepsis nicht rechtzeitig erkannt oder medizinische Standards nicht eingehalten wurden.

Auf dieser Seite informiere ich Sie über typische Behandlungsfehler bei Sepsis und septischem Schock, Ihre rechtlichen Möglichkeiten sowie das Vorgehen bei der Durchsetzung von Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüchen.

Sepsis kommt oft plötzlich – und wird dennoch zu häufig übersehen.

Was als Infektion beginnt, kann sich innerhalb von Stunden zu einer lebensbedrohlichen Sepsis oder einem septischen Schock entwickeln. Werden Warnzeichen nicht ernst genommen oder Behandlungsleitlinien missachtet, kann dies schwerste gesundheitliche Schäden oder den Tod zur Folge haben.

Als Anwalt für ärztliche Behandlungsfehler unterstütze ich Betroffene und Hinterbliebene dabei, medizinische Versäumnisse aufzuklären und ihre rechtlichen Ansprüche konsequent durchzusetzen. Denn vermeidbares Leid darf nicht folgenlos bleiben.

Was versteht man unter einer Sepsis?

• altgriechisch: Fäulnis
• Umgangssprachlich: „Blutvergiftung“
• Schwerste Verlaufsform einer Infektion
• Überreaktion des Immunsystems
• Organschäden fernab der eigentlichen Infektion

Fehldiagnose oder verspätete Behandlung bei Sepsis und septischem Schock gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Behandlungsfehlern.

Gerade in Notaufnahmen und auf Normalstationen werden typische Symptome einer Sepsis nicht immer rechtzeitig erkannt. Die Folgen sind oft irreversible Organschäden oder tödliche Verläufe.

Als Anwalt mit Schwerpunkt auf ärztlichen Behandlungsfehlern prüfe ich, ob medizinische Standards eingehalten wurden, und vertrete Ihre Interessen gegenüber Ärzten, Krankenhäusern und Versicherungen.

Risikogruppen sind insbesondere:

• Personen über 60 Jahre
• Kleine Kinder unter einem Jahr
• Chronische Erkrankungen (Bluthochdruck,
Diabetes, Nierenschwäche, …)
• Immunschwäche (z.b. durch Medikamente,
Milzentfernung, Erkrankungen)

Symptome

Behandlungsfehler bei fehlender Befunderhebung

• starke Schmerzen, nie gekanntes Krankheitsgefühl
• Verwirrtheit, Wesensveränderung
• Atemnot, Kurzatmigkeit
• Herzrasen
• niedriger Blutdruck
• kalte, feuchte, fleckige Haut
• Fieber (nicht unbedingt)

Therapie

Behandlungsfehler bei Unterlassen oder Verzögerung

- Immer ein Notfall!

- Bei Verdacht auf Sepsis: Goldenes Bundle innerhalb einer Stunde. Zeitablauf ist extrem wichtig bei Sepsis.

- Es muss sofort und beherzt gehandelt werden!

- Untersuchung der Vitalparameter

  • Blutdruck,
  • Herzfrequenz,
  • Atemfrequenz,
  • Sauerstoffsättigung.

- Entnahme von Blut

  • Labor und
  • Blutkulturen.

- Fokussuche: Wo steckt die Infektion?
- Rascher Beginn einer breiten antibiotischen Therapie über die Vene
- Überwachung von Organfehlfunktionen

  • Lunge,
  • Niere,
  • Kreislauf.

- Nachsorge und Rehabilitation

So arbeiten wir für Sie: Arzthaftung bei verspäteter Sepsiserkennung

Neue Haftungsansätze bei Sepsis-Fällen unter Berücksichtigung der QS-Sepsis-Richtlinie

I. Kernthese: Paradigmenwechsel in der Arzthaftung

Die zentrale Fragestellung hat sich verschoben: Nicht mehr primär „Was hat der Arzt falsch gemacht?", sondern „Wo hat die Struktur versagt?" und „Was hat die Klinik falsch gemacht?"

Praktische Bedeutung: Die Haftung verlagert sich vom individuellen Behandlungsfehler zur Organisationsverschulden des Krankenhauses.

 

II. Rechtliche Grundlagen

1. Normative Verankerung

  • § 136 SGB V i.V.m. DeQS-Richtlinie
  • Umsetzung durch IQTIG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen)

2. Medizinische Standards

S3-Leitlinie Sepsis (maßgeblich für Sachverständigenfragen)

3. Rechtsprechungsentwicklung

Rechtliche Relevanz des Qualitätsmanagements ergibt sich aus Klagen gegen TÜV (Brustimplantate-Fälle)

 

III. Medizinische Grundlagen der Sepsis

1. Zeitkritischer Charakter

  • Zeitproblem bei Sepsis
  • Sepsis ist schnell, ein „Turboding" mit eigener Dynamik. Zeitverlust ist daher besonders gefährlich.
  • CRP-Werte sind „lahm" (reagieren zu langsam)

2. Screening-Parameter (Warnsignale)

Screening-Warnsignale: Tachykardie (Herzrasen, Puls >100), Fieber, Verwirrtheit, Tachypnoe (Beschleunigte Atmung >20 Atemzüge pro Minute), Hypotonie (niedriger Blutdruck; Werte unter 100/60 mmHg (Frauen) bzw. 110/60 mmHg (Männer).

Bei deren Auftritt muss etwas passieren. Ansonsten liegt ein Behandlungsfehler vor!

Weitere relevante Parameter:

  • Laktatwerte
  • Vitalwerte

3. Diagnostischer Ansatz

  • Gesamtheit als Hinweis auf Sepsis betrachten – Puzzleteile zusammensetzen
  • Strukturierte Diagnostik (der Symptome Screening-Warnsignale: Tachykardie (Herzrasen, Puls >100), Fieber, Verwirrtheit, Tachypnoe (Beschleunigte Atmung >20 Atemzüge pro Minute), Hypotonie (niedriger Blutdruck; Werte unter 100/60 mmHg (Frauen) bzw. 110/60 mmHg (Männer).
  • Früherkennung ist Voraussetzung für Erfolg.

 

IV. Neue Prüfungsschwerpunkte für Patientenanwälte

A. Systemische Anforderungen an das Krankenhaus

Zur Sepsisprävention gehören:

  • Pflege,
  • Ärzte,
  • Intensivstation,
  • ABS-Team,
  • QM,
  • SOPs,
  • Schulungen

Versagt ein Element, steigt das Risiko für den Patienten.

B. Konkrete Prüfpunkte (Checkliste)

1. Screening-Strukturen

  • Gibt es Screeningstrukturen?
  • Hatte das Krankenhaus ein System, um Sepsis zu erkennen und zu begegnen?
  • Gab es ein funktionierendes System für das Screening?
  • Wenn Screening nicht dokumentiert ist, wird es nicht gelebt.

2. Standard Operating Procedures (SOPs)

  • Gibt es eine Sepsis-SOP?
  • Gab es SOPs?

3. Schulungsnachweise

  • Gibt es Schulungsnachweise?
  • Schulungsnachweise: Wer, wann, wo?

4. Audit-Dokumentation

  • Gibt es Auditberichte?
  • Gab es Audits?

5. Eskalationsstrukturen

  • Gibt es Nachweise zum ABS-System? Im Zusammenhang mit dem gesetzlichen Qualitätssicherungsverfahren QS Sepsis steht die Abkürzung ABS für Antibiotic Stewardship. Ein „ABS-System“ beschreibt somit kein technisches Gerät, sondern ein strukturiertes Programm zur Sicherung des rationalen und verantwortungsvollen Einsatzes von Antibiotika und Antiinfektiva im Krankenhaus.
  • Eskalation: Pflege → Assistenzarzt → Oberarzt → Intensivstation
  • Gab es Eskalationsstrukturen?
  • Gab es definierte Eskalationswege?

6. Qualitätssicherungs-Dokumentation

  • Welche QS-Dokumentation existiert?
  • Sind QMS in den klinischen Alltag umgesetzt worden?
  • Hat ABS-System im Ergebnis funktioniert?
  • Kritische Frage: Liegt nur Papier-QM vor?

V. Haftungsrelevante Fehlerquellen

1. Kommunikationsdefizite

  • Fehler entstehen durch Informationsverlust
  • Pflege meldet nichts → es wird nichts gemacht → Arzt wird nicht angerufen
  • Funktionierte die Kommunikation?

2. Dokumentationsmängel

Prüfung der Patientenakte: Patientenakte nach Frühwarnzeichen (s.o.) durchforsten:

  • Was ist dokumentiert?
  • Was wurde gemacht?

VI. Beweisrechtliche Aspekte

  • Sekundäre Darlegungslast des Krankenhauses bei fehlender/unzureichender Dokumentation
  • Konsequenz: Bei nicht dokumentiertem Screening oder fehlenden Nachweisen über QM-Strukturen trägt das Krankenhaus die Beweislast für ordnungsgemäße Organisation.

VII. Standardfragen an Sachverständige

Alte Fragestellung (überholt):

  • War die Diagnose vertretbar?
  • War die Behandlung richtig?

Neue, zusätzliche Fragestellungen:

  • Gab es ein Sepsis-Screening?
  • Existierte eine SOP?
  • War das Personal geschult?
  • Gab es definierte Eskalationswege und Eskalationsstrukturen?
  • Funktionierte die Kommunikation?
  • Gab es Screenings?
  • Gab es Audits

 

VIII. Praktisches Vorgehen im Mandat

Phase 1: Aktenanalyse, Checkliste Patientenakte:

  • Vitalparameter-Dokumentation
  • Laktatwerte
  • Tachykardie, Fieber, Verwirrtheit, Tachypnoe, Hypotonie?
  • Zeitliche Abläufe
    • Wann traten erste Warnsignale auf?
    • Wann erfolgte Reaktion?
  • Zeitverlust ist besonders gefährlich
  • Dokumentierte Maßnahmen
    • Was ist dokumentiert?
    • Was wurde gemacht?

Phase 2: Anforderung Krankenhaus-Unterlagen

Obligatorisch anzufordern:

  • Sepsis-SOP des Krankenhauses
  • Screening-Protokolle/Checklisten
  • Schulungsnachweise (Personal, Datum, Inhalt)
  • Audit-Berichte zur Sepsis-QS
  • Nachweis ABS-Team (Antibiotic Stewardship)
  • QM-Handbuch Sepsis
  • Interne Qualitätssicherungs-Dokumentation

Phase 3: Sachverständigengutachten

a) S3-Leitlinie (Sind die dort normierten Behandlungsschritte rechtzeitig und richtig erfolgt?)

b) Zusätzliche systemische Fragen:

  • Entsprach das QM-System dem Stand der Wissenschaft (§ 136 SGB V)?
  • War das System im konkreten Fall funktionsfähig?
  • Wurden die eigenen SOPs eingehalten?

 

IX. Haftungsadressaten

1. Primäre Haftung: Krankenhausträger, Organisationsverschulden bei:

  • Fehlendem/unzureichendem QM-System
  • Nicht implementierten SOPs
  • Fehlenden Schulungen
  • Nicht funktionierenden Eskalationswegen

2. Sekundäre Haftung: Behandelnde Ärzte

Nur noch bei individuellem Behandlungsfehler trotz funktionierendem System

 

X. Besonderheiten und Entwicklungen

Technologieeinsatz

Bisher setzen nur wenige Kliniken Künstliche Intelligenz (KI) auf Intensivstationen ein. Chefärzte geben zu, von dort erkannte Sepsisfälle jedenfalls nicht so schnell erkannt zu haben. Warum wird das nicht Klinikstandard?

Es gibt Schnelltests, die bereits in Rettungswagen eingesetzt werden können. Warum gibt es diese nicht flächendeckend?

 

XI. Zusammenfassung: Unsere Erfolgskriterien für erfolgreiche Mandate in Sepsis-Fällen

Beweisführung auf zwei Ebenen:

Ebene 1: Individueller Behandlungsfehler

  • Verspätete Diagnose
  • Verzögerte Therapie
  • Fehlende Reaktion auf Warnsignale

Ebene 2: Systemversagen (NEU!)

  • QS-Richtlinie = QMS mit rechtlicher Relevanz
  • Fehlendes/nicht gelebtes QM-System
  • Nicht umgesetzte SOPs
  • Fehlende Schulungen/Audits
  • Defizitäre Eskalationsstrukturen

Beweiserleichterung:

Wenn Screening nicht dokumentiert, wird es nicht gelebt

→ Sekundäre Darlegungslast des Krankenhauses

 

XII. Unsere Praxis-Checkliste in Sepsis-Fällen

Sofort zu klären:

  • Zeitpunkt erste Warnsignale (Fieber, Tachykardie, Verwirrtheit, Tachypnoe, Hypotonie)
  • Zeitpunkt Diagnosestellung
  • Zeitverlust in Stunden
  • Dokumentierte Vitalwerte/Laktat
  • Reaktion des Personals dokumentiert?
  • Eskalation erfolgt?

Anzufordern vom Krankenhaus:

  • Vollständige Patientenakte
  • Sepsis-SOP
  • Screening-Dokumentation
  • Schulungsnachweise
  • Audit-Berichte
  • ABS-Team-Nachweis
  • QS-Dokumentation